‚…….was mich natürlich mit bewogen hat, deine Einladung anzunehmen, sind diese wunderbaren, wundersamen zarten Zeichnungen. Kein Hände Ringen sondern: In diesem sanften aufgeladenen Ineinandergreifen erzählst du Geschichten, begründest mit jedem Blatt einen eigenen Kosmos. Sind es Äderchen, die aus der Haut fahren und vorwitzig ins Ungewisse zielen oder sind es Energiebahnen, die einen Schutzmantel weben, vegetative Sender, Empfänger, was auch immer… diese subtilen Zeichnungen sind vielleicht gewaltsame Zärtlichkeiten, die die Auflösung in sich bergen…...’
Agathe Nisple zur Eröffnung der Ausstellung. |
IIm Rahmen Ihrer letzten Projekte „I refuse to battle“ und „stAR.T“ setzte sich die in Wien lebende Künstlerin Bella Angora
mit diversen Konzepten in Bezug auf Rivalität, Powerplay, Eifersucht, Wettkampfdenken und egoistische Ambitionen –
einerseits in Relation zu einem Kunstmarkt, wo diesbezügliche Konzepte als grundsätzlicher Bestandteil von sozialen
Strukturen und Mustern ständig präsent sind, weiters aber auch in Hinblick auf globale Gesellschaftsstrukturen –
auseinander. Zentraler Punkt war hierbei die Verweigerung des Kampfes, respektive das Ausloten von neuen lebbaren
Strukturen, welche in Hinblick auf alternative Lebensführungen neue Optionen eröffnen können.
„soft, slow & sweaty“ beschäftigt sich nun in detaillierter Form mit den individuellen psychologischen Reaktionen auf eine
Kampfverweigerung. Was bleibt nach Beendigung des Kampfes? Wie kann dieser Prozess in unserer stark
kampforientierten Gesellschaft als konstruktiv statt resignativ erlebt werden?
Im Besonderen wird hierbei der Faktor Zeit untersucht. Bei „soft, slow & sweaty“ wird mit dem ´Abschalten des Kampfes`
gewissermassen die Zeit abgedreht, es entstehen Zeitfenster in welchen ein ´Sein zwischen den Zeiten` möglich wird.
Gleichzeitig bildet sich ein Spannungsfeld zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, der Augenblick wird
Ausgangspunkt für eine neue Qualitätsebene des eigenen Empfindens, sowie für einen entspannteren Umgang mit Zeit.
Das Empfinden einer permanent knapper werdenden, schneller laufenden Zeit beeinflusst unsere Lebensführung und
nimmt zunehmend Einfluss auf psychische und physische Befindlichkeiten. Wie wird Zeitdruck erlebt und wie kann
diesem entgegengesteuert werden? Wie wirkt sich ein plötzliches Zeit haben auf unsere Psyche aus? Wie kann in
unserer Zei t Leistung erbracht werden ohne immer wieder aufgrund von Zeitknappheit die eigenen Grenzen der
Belastbarkeit überschreiten zu müssen?
„soft, slow & sweaty“ kann gewissermassen auch als Plädoyer dafür gesehen werden, den Dingen auf respektvolle
Weise ihre Zeit zu geben und die Akzeptanz dessen, dass gewisse Prozesse Zeit benötigen.
Dem harten, schnellen, kämpferischen Voranpreschen wird sozusagen ein sanftes, langsames Prinzip entgegengesetzt,
welches dennoch durchaus Effektivität und Entwicklung impliziert. Bella Angoras Arbeiten beinhalten zumeist einen mal
latenteren dann wieder sehr präsenten feministischen Grundton und auch bei „soft, slow & sweaty“ begibt sich die
Künstlerin auf die Suche nach einer neu definierten Weiblichkeit abseits von weiblichen Rollenmodellen. Dies in Hinblick
auf soziokulturelle Phänome und Entwicklungen, welche in Relation zu oben genannter Thematik von Belang sein
können. Gewissermassen erfolgt eine Gegenüberstellung männlicher und weiblicher Prinzipien, deren Ziel die
Aktivierung und Förderung emanzipatorischer Tendenzen im Sinne von gesamtheitlichen, evolutionären Prozessen ist.
Weiters wird die eigentliche Relativität von Zeit(en), die Vergänglichkeit von allem, das Sterben und das Verblassen von
zeitlich verankerten Erlebnissen beleuchtet. Zeitwahrnehmungen sind etwas subjektiv Erlebbares und befinden sich in
permanenter Interaktion mit der jeweiligen psychischen Verfassung eines Individuums. Die Zeit hat einen gewaltigen
Einfluss auf unsere Lebensqualität, was wiederum ein wichtiges Faktum in Hinsicht auf gesellschaftliche Entwicklungen
darstellt. Dies wirft auch die Frage auf, inwiefern die Zeit/Geschwindigkeit kämpferische Faktoren zu beeinflussen
vermag.
Den Ausgangspunkt des Projektes bildet eine mixed media-Performance die sich formal an der klassischen
Erzählstruktur eines Märchen (Once upon a time) orientiert. Märchen spielen sich immer in der Vergangenheit ab, sind
gewissermassen stark von der Gegenwart entrückt und ihre oftmals moralisierenden Inhalte sind zwar in einer längst
vergangenen Epoche angesiedelt und dienen dennoch auf subtile Weise als Masstab für Bewertungen von
menschlichem Handeln. Mittels filmischer und literarischer Elemente, angereichert durch performative Szenerien und
eigens komponierte Livemusik kreiert Bella Angora ein bewusst grotesk wirkendes Gesamtbild, welches als weiteren
Grundton das Brechen eines moralischen Wertesystemen beinhaltet.
Gesungene Statements verpackt in überkitschte Popsongs treffen auf märchenhaft anmutende visuelle Umsetzungen,
die oben erwähnte Thematik wird auf durchaus humorvolle, teils chaotische Art und Weise unter Bezugnahme von
klassischen „Gut/Böse-Märchenfiguren“ aufgearbeitet.
Weitere Elemente der Ausstellung sind zu der Thematik relatierende Zeichnungen sowie eine audio-visuelle
Rauminstallation.
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