In strengem Schwarz-weiss gehalten und in ihrer seriellen Anordnung werden die Verzweiflungsgesten der Protagonisten mit einer Allgemeingültigkeit aufgeladen, die so zu aktuellen Varianten der „Charakterköpfe“ des barocken Bildhauers Franz Xaver Messerschmidt werden. In der Ausstellung werden die zwölf Fotos mit einer Fototapete, die ein anspielungsreiches Straßenmotiv aus Los Angeles (Ein Geschäft namens „Nix check cashing“) zeigt, kontrastiert. Der sprachliche Witz unterstützt die Ausweglosigkeit, die in den Bildern der Verzweifelten schon sichtbar wird.
Seit einigen Jahren (1988) konzentriert sich die Grazer Künstlergruppe G.R.A.M. auf den Aspekt des Reenactments, des Nachstellens und Nachspielens historischer Ereignisse. Was mit der Neu-Inszenierung von Standfotos aus Stummfilmen von Stan Laurel und Oliver Hardy begann ist zu einem umfangreichen Werkzyklus angewachsen. Die inhaltliche Bandbreite der mit dem Übertitel „Nach Motiven von…“ zusammengefassten Nachstellungen ist groß. Nachgestellt wurden unterschiedlichste Motive aus unterschiedlichsten Bereichen. Der Werkkomplex „Wiener Blut“ fasst etwa bildliche Neuinterpretationen der Wiener Aktionisten zusammen. Das Projekt „Jagdausflug im Stillen Ozean“ ist eine gemeinsam mit dem Autor Gerhard Roth realisierte Nachstellung der Bildnotizen des Autors. Die Serie „Global Player“ wiederum fokussiert Selbstdarstellungen des nordkoreanischen Diktators Kim Jong Il, schließt aber auch Bildzeugnisse von Mao Tse-tung, Lenin oder dem VW-Vorstand mit ein. G.R.A.M. lenkt den Blick auf die Funktion der Bilder, auf die Bild-Politiker abseits des Sichtbaren.
Reenactements, wie sie G.R.A.M. produzieren, sind noch einmal durchgeführte Festlegungen aus der schier endlosen Galaxie von täglich erscheinenden Medien- und sonstigen Bildern. Obwohl die Bilder immer inflationärer werden, ist ihre Wirkung zwingender und mächtiger. Bildkritik ist konsequenterweise auch Kritik an den Vorgängen innerhalb der Gesellschaft und den damit einhergehenden Macht- und Ohnmachtsszenarien. |